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Der Flohmarkt

„Wieso heißt das eigentlich Flohmarkt?“ Lena schaut ihren großen Bruder fragend an, dann legt sie ihr altes Memory in eine Umzugskiste.
„Sei froh, dass es nicht Läusemarkt heißt. Sonst kriegst du wieder welche!“ Ben grinst und packt Autos in die große Kiste.
„Du hattest auch Läuse!“ Lena streckt ihm die Zunge raus.
„Gar nicht, nur Nissen. Das zählt nicht.“
„Hört auf zu streiten. Der Flohmarkt hat schon begonnen!“ Frau Funke zeigt auf ihre Uhr.
„Helft mit! Die Sachen müssen ins Auto!“, ruft Herr Funke.

Alle schleppen, alle schnaufen, dann ist das Auto beladen. Sogar die Rückbank ist voll.
„Wenn wir das verkaufen, haben wir wieder Platz im Keller.“ Herr Funke schaut zufrieden. „Ben, wir beide müssen mit dem Rad fahren, die Mädels nehmen das Auto.“
„Wer zuerst da ist!“, ruft Ben und donnert los.
Das Rennen endet unentschieden. Auto und Fahrräder treffen gleichzeitig an der Schule ein.
„Geh du schon mal vor und suche uns einen guten Platz“, sagt Herr Funke zu seiner Frau. „Ich schleppe mit den Kindern die Sachen auf den Schulhof.“
„Schade, dass man nicht auf den Schulhof fahren darf“, sagt Lena bedauernd.
„Das darf nur die Feuerwehr“, erklärt Herr Funke.
„Schade, dass wir kein Feuerwehrauto haben“, äfft Ben seine Schwester nach.
„Hör auf, hilf lieber mit!“ Herr Funke drückt Ben eine Ritterburg in die Arme und schnappt sich eine Bücherkiste.
„Papa, dürften wir in echt mit einem Feuerwehrauto unsere Sachen auf den Schulhof fahren?“, fragt Lena.
„Nein, Lena. Auch das Feuerwehrauto darf nur auf den Schulhof fahren, wenn es brennt.“ Herr Funke redet etwas gequetscht, weil die Bücherkiste sehr schwer ist.
„Und wenn wir sagen, wir hätten gedacht, dass es brennt?“ Lena gibt nicht auf.
„Wir haben aber zum Glück kein Feuerwehrauto!“, stößt Herr Funke hervor. Die schwere Kiste rumst bei jedem Schritt gegen ihn.

Neben der Rutsche winkt Frau Funke. Sie strahlt über das ganze Gesicht.
„Ist das nicht ein guter Platz?“, ruft sie. Die vier Funkes beginnen, die Spielsachen und Bücher zum Verkauf auf den beiden Picknickdecken auszubreiten.
„Die nicht!“, ruft Lena plötzlich, stürzt sich auf eine Puppe und drückt sie an sich.
„Mit der hast du schon ewig nicht gespielt!“ Frau Funke rollt mit den Augen.
„Trotzdem, das ist meine Lieblingspuppe.“
„Na gut, dann pack sie wieder in die Kiste zurück“, sagt Frau Funke.
„Was kostet die Ritterburg?“ Eine Frau steht vor Ben, in ihrem Kinderwagen sitzt ein kleiner Junge, der einen Apfel mit seinen Zähnen raspelt. Die Apfelfetzen fliegen und der Kleine betrachtet die Burg mit leuchtenden Augen. Angewidert zieht Ben die Burg zurück und sagt: „Zwanzig Euro!“
„So viel?“ Verwundert schiebt die Frau den Kinderwagen weiter.
„Ben, das ist viel zu teuer! Lieber billiger, und dafür mehr verkaufen!“, sagt Frau Funke.
„Dem wollte ich die Burg gar nicht verkaufen“, sagt Ben trotzig. „Der war blöd!“
„Aha. Trotzdem kannst du nicht so hohe Preise machen. Sonst verkaufen wir gar nichts.“
„Ich radel dann mal wieder heim und gehe joggen“, sagt Herr Funke. „Und kommt mir ja mit einem leeren Auto nach Hause!“ Er winkt und steigt auf sein Fahrrad.

Am Nachmittag klingelt es Sturm. Herr Funke schlürft mit schweren Beinen zur Haustür. Lena springt ihm in die Arme.
„Na, wie ist es gelaufen?“, fragt Herr Funke.
„Voll gut, wir haben 60 Euro verdient und fast alles verkauft!“, sagt sie stolz.
„Und 80 Euro ausgegeben!“ Ben biegt um die Ecke. Er schleppt eine Kiste und lacht.
Herrn Funke klappt der Unterkiefer runter.
Frau Funke winkt vom Auto und ruft: „Hilfst du uns ausladen?“
Zögernd geht Herr Funke zum Auto. Die Umzugkartons sind voll mit neuen Spielsachen. Und auf der Rückbank parkt noch etwas Großes, Rotes.
„Was, was ist das?“, stammelt Herr Funke.
„Ein Feuerwehrauto!“, sagt Lena, verwundert über die komische Frage.
Ungläubig hebt Herr Funke das verkratzte Plastikungetüm aus dem Auto.
„Lena, mit so was spielst du doch schon lange nicht mehr!“
„Will ich ja gar nicht. Aber mit dem Feuerwehrauto dürfen wir auf den Schulhof fahren“, erklärt Lena.
„Und wo lagern wir das Monstrum bis zum nächsten Flohmarkt?“, fragt Herr Funke.
„Na, im Keller“, erklärt Lena.
„Da ist doch jetzt wieder Platz“, sagt Ben grinsend.
Die Knie von Herr Funke werden weich, er setzt sich kopfschüttelnd auf das Feuerwehrauto.
Lena strahlt: „Guck, es hält sogar dich aus. Dann kann man damit auch Kisten auf den Schulhof fahren!“

Illustration: Doris Martin – doris.martin@mail.de

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1 thought on “Der Flohmarkt

  1. Frida

    Hallo!
    Ich finde alle Geschichten sehr schön! Die Bilder dazu sind auch der Hammer! Diese Geschichte ist meine lieblings Geschichte! Wäre schön wenn es irgendwann Bücher mit diesen Geschichten geben würde! LG

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